Bioökonomie – eine Strategie für Österreich

Die österreichische Bioökonomie-Strategie wurde am 13.3.2019 vom Ministerrat beschlossen.

Mit der ‚Bioökonomie‘ treffen wir auf eine der zentralen Fragen der Zukunft: Wie können wir als Gesellschaft nachhaltig und verantwortungsvoll mit natürlichen Ressourcen umgehen und gleichzeitig erfolgreich wirtschaften?

Bioökonomie steht für ein Wirtschaftskonzept, das fossile Ressourcen (Rohstoffe und Energieträger) durch nachwachsende Rohstoffe in möglichst allen Bereichen und Anwendungen ersetzen soll. Sie umfasst alle industriellen und wirtschaftlichen Sektoren, die biologische Ressourcen produzieren, nutzen, ver- und bearbeiten. Von Bioökonomie wird erwartet, dass sie zur Bewältigung globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Lebensmittel- und Wasserknappheit und zunehmende Umweltbelastungen beiträgt und gleichzeitig die ökonomische Entwicklung stärkt.

Die österreichische Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm 2017–22 vorgenommen, eine Strategie für Bioökonomie in Österreich zu erstellen und damit die Umsetzung des Wissens-und Know How Potenzials zu fördern und die Dekarbonisierung des Wirtschaftssystems zu unterstützen. Die Strategie wurde im März 2019 präsentiert. Auf Basis der Strategie wird im Jahr 2019 der Aktionsplan erarbeitet.

Den Rahmen für die Auswahl der Maßnahmen des Aktionsplans bilden die in der Strategie identifizierten Zielfelder:

a) Erreichung der Klimaziele,
b) Reduktion der Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Rohstoffen,
c) Förderung von Innovation,
d) Förderung wirtschaftlicher Entwicklung,
e) Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen,
f) Förderung nachhaltiger gesellschaftlicher Transformation;

Wissenschaft und Forschung

Forschung, Entwicklung und Innovation (FTI) sind wichtige Säulen erfolgreicher Bioökonomie. Neben der technologischen Entwicklung ist die systemische Verbindung von technisch-naturwissenschaftlichen mit wirtschaftlichen, politisch-gesellschaftlichen und ethischen Aspekten ein wesentlicher Erfolgsfaktor wissensbasierter Bioökonomie. Nur so können Transformationsstrategien für die Neuorientierung des Wirtschaftssystems auch gesellschaftspolitisch aufbereitet werden. Bioökonomie-Forschung muss demnach – gestützt auf Grundlagenforschung – inter- und transdisziplinär ausgerichtet sein, sich durch verbesserte Kooperation innerhalb der Forschung auszeichnen und sich an den Prinzipien „Open Innovation “ und „Responsible Science “ orientieren.

Die wichtigen Säulen von Wissenschaft und Forschung sind:

- Umsetzungsrelevante FTI-Instrumente
- Bioökonomie-relevante Forschungsstrukturen und Institutionen
- Kooperationsplattformen und Kompetenzzentren
- Industrielle Forschung – biobasierte Industrie
- Internationale Vernetzung und Zusammenarbeit

Österreich hat sich bereits in den vergangenen Jahren als Kompetenzträger für Bioökonomie positioniert. Ein Drittel der österreichischen Universitäten ist im Bereich Bioökonomie aktiv. Herausragendes Beispiel ist die Universität für Bodenkultur Wien, die frühzeitig den internationalen Entwicklungstrend hin zu Bioökonomie proaktiv gestaltet hat und 2019  die Gründung eines Zentrums für Bioökonomie vorsieht, welches als Anlaufstelle für Stakeholder aus Wirtschaft und Politik dienen soll.

Wegen der hohen Bedeutung von FTI wurden beim Erstellen der Bioökonomie-Strategie Expert/innen aus Wissenschaft und Forschung mitbefasst und das (im Rahmen der FTI-Strategie des Bundes verfasste Arbeitspapier "Bioökonomie-FTI-Strategie" als Basis verwendet.

Für die Sicherung der Qualität des FTI-Strategie-Prozesses wurde eine wissenschaftliche Begleitgruppe eingerichtet, bestehend aus nicht in Österreich tätigen Experten und  Expertinnen (Heike Frühwirth, Hochschule Biberach (Vorsitzende); Daniela Kleinschmit, Universität Freiburg; Christian Patermann, ehem. DG Research, (Programme Director “Biotechnology, Agriculture & Food”) (Vize-Vorsitzender); Detlef Schulze, Max-Planck-Institut für Biogeochemie; Vera Rotter, TU Berlin). Weiters wurden zu bestimmten Themen Gutachten bzw. Studien erstellt, u. a. zum Thema Nachhaltigkeits-Monitoring für Österreichs Bioökonomie-Strategie.

Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von Bioökonomie sind deshalb adäquate FTI-Instrumente, welche alle Innovationsphasen abdecken und gut miteinander kombiniert werden können: Grundlagenforschung ebenso wie Forschungsinfrastruktur sind wesentliche Fundamente, die vom BMBWF über das Globalbudget der Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen finanziert werden.

Handlungsfelder im Bereich Wissenschaft und Forschung (FTI)

Handlungsfelder, die Bereiche des BMBWF betreffen, sind:

- Grundlagenforschung zu Ressourcen-Verfügbarkeit, ökologischen Funktionen (Boden, Biodiversität etc.), Standortbedingungen und sozialen Rahmenbedingungen biobasierter Wirtschaft
- (physikalische, chemische, biologische) Analytik von Materialeigenschaften
- Abschätzung der institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie regionaler und lokaler Effekte der Bioökonomie
- Themenspezifische, interdisziplinäre (Grundlagen- und angewandte Forschung verbindende) Analysen und Bewertungen unter Berücksichtigung geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung
- Erhebung des Nutzungspotenzials von biobasierten Materialien unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Effekte
- Systemische Bewertung der Wechselwirkungen zwischen dem Klimawandel und der verstärkten Biomasseproduktion sowie der Biodiversität
- Themenspezifische Initiativen der Universitäten und Hochschulen zu Bildung sowie Aus- und Fortbildung (im Sinne des Gesamtösterreichischen Universitätsentwicklungsplans)

Bildung

Neben Forschung und Innovation gehört Bildung zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren moderner Volkswirtschaften, die maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, Wettbewerbsstärke und sozialen Zusammenhalt bestimmen. In Anbetracht der Komplexität des Themenfeldes "Bioökonomie" müssen umfassende Bildungsoffensiven etabliert werden, die insbesondere auf dem Prinzip der Zukunftsgerechtigkeit aufbauen. Die Innovationsstiftung für Bildung unterstützt mit den von ihr mitgetragenen Substiftungen jene Bildungsinstitutionen, die Bildungsstrukturen und Bildungsprozesse verbessern und bedarfsorientiert weiterentwickeln wollen. Bei Vorliegen bioökonomierelevanter Elemente im Leistungs- und Förderportfolio der Stiftung sollen diese für die Umsetzung der Bioökonomie-FTI-Strategie genutzt werden.

Kontakt im BMBWF:
Dr. Karolina Begusch-Pfefferkorn
karolina.begusch-pfefferkorn(at)bmbwf.gv.at

Kontakt im BMNT:
biooekonomie(at)bmnt.gv.at

Kontakt im BMVIT:

Bioökonomie - Eine Strategie für Österreich (Download, PDF, 71 Seiten)
Arbeitspapier "Bioökonomie-FTI-Strategie"