Die Hochschulbildung in der Europäischen Union

In der Europäischen Union gehört der Bereich „Bildungspolitik“ zu denjenigen Politikbereiche, wo die Entscheidungskompetenzen eindeutig bei den Mitgliedstaaten liegen („Subsidiaritätsprinzip“) und der EU lediglich eine Koordinierungs- und Unterstützungsfunktion zukommt. Trotz der begrenzten Zuständigkeiten der EU hat sich die Bildungspolitik zu einem besonderen Bereich der europäischen Politik entwickelt.

Die Maßnahmen der EU zielen in erster Linie darauf ab Studium, Lehre, Forschung und Entscheidungsfindung in der Hochschulbildung um eine internationale Dimension zu bereichern. Neben der Förderung einer verstärkten Koordinierung der Mitgliedstaaten hat die EU auch die Steigerung der allgemeinen Qualität der europäischen Hochschulbildung zum Ziel.

„Europa 2020“ -Strategie

„Europa 2020“ ist die Wachstumsstrategie der Europäischen Union, die als übergeordnete Prioritäten „intelligentes, nachhaltiges und integratives“ Wachstum festlegt. Die Fortschritte der Europa 2020-Strategie werden anhand von fünf Kernzielen gemessen. Im Bereich der Hochschulbildung soll bis 2020 der Anteil der 30- bis 34-Jährigen mit abgeschlossener Hochschul- oder gleichwertiger Bildung auf mindestens 40% gesteigert werden. Österreich hat das nationale Ziel von 38% bereits 2012 erreicht (38,3%). 2017 überschritt Österreich mit 40,8% sogar das europäische Kernziel.

Strategische Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung (ET 2020)

Der „Strategische Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung (ET 2020)“ definiert vier strategische Ziele für die europäische Bildungszusammenarbeit:

  1. Lebenslanges Lernen und Mobilität als Realität
  2. Verbesserung der Qualität und Effizienz der allgemeinen und beruflichen Bildung
  3. Förderung von Chancengleichheit, sozialem Zusammenhalt und aktivem Bürgersinn
  4. Förderung von Innovation und Kreativität – einschließlich unternehmerischen Denkens – auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung

Die Ergebnisse der Halbzeitbewertung im Jahr 2015 zeigten, dass sich die vier strategischen Ziele bewährt haben und nach wie vor aktuell sind. Trotz klarer Fortschritte bleiben zahlreiche Herausforderungen bestehen. Diese bilden nun die Grundlage für neue prioritäre Bereiche.  Die Fortschritte der EU und der Mitgliedstaaten bei der Erreichung der Ziele werden mittels des „Education and Training Monitors“ gemessen.

Mit Ende 2020 läuft der aktuelle strategische Rahmen aus. Die Diskussion über die zukünftige Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa wird auch im Zuge der österreichischen Ratspräsidentschaft geführt.

Europäischer Bildungsraum

Als Beitrag zum Sozialgipfel in Göteborg im November 2017 legte die Kommission in der Mitteilung „Stärkung der europäischen Identität durch Bildung und Kultur“ ihre Vorstellungen darüber dar, was Bildung und Kultur zum Aufbau inklusiver Gesellschaften und zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen können. Dabei werden eine Reihe von konkreten Initiativen zur Entwicklung eines europäischen Bildungsraumes vorgestellt. 

Die Mitgliedstaaten haben daraufhin ihren gemeinsamen Willen bekräftigt (Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 14. Dezember 2017), sich stärker in den Bereichen Bildung und Kultur zu engagieren. Die vorangingen Initiativen im Bereich der Hochschulbildung sind:

  • Verstärkung der Mobilität und des Austauschs, auch durch ein wesentlich gestärktes, inklusives und erweitertes Programm Erasmus+;
  • die Stärkung strategischer Partnerschaften zwischen Hochschuleinrichtungen in der gesamten EU und die Förderung der Herausbildung von etwa zwanzig "Europäischen Hochschulen" bis 2024, bestehend aus nach dem Bottom-up-Prinzip errichteten Hochschulnetzwerken in der gesamten EU, die es Studierenden ermöglichen, durch eine Kombination von Studien in mehreren EU-Ländern einen Studienabschluss zu erwerben, und somit zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hochschulen beitragen;
  • die Förderung der Mobilität von Studierenden und ihrer Teilhabe am Bildungs- und Kulturangebot, unter anderem durch einen "Europäischen Studierendenausweis";
  • die Förderung der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bei der gegenseitigen Anerkennung von Hochschulabschlüssen und Schulabschlüssen der Sekundarstufe in einem angemessenen Rahmen.

EU-Ratspräsidentschaft 2018